Einführung Pfarrer Schöller

„Kirche findet Stadt“

Der Evangelische Gemeindeverband traut sich was:

Eine neue City-Kirchen-Pfarrstelle ist errichtet.

So haben wir Sie eingeladen. Und: „Ja, Kirche findet trotz allem Stadt!“

Aber nun eben doch ganz anders als geplant. Es wird ein Kennzeichen dieser neuen Stelle und von Pfarrer Schöller sein, sich auf Ungewöhnliches einzulassen und neue Wege zu beschreiten.

Und so fand der Gottesdienst zur Einführung von Pfarrer Falk Schöller in die neue City-Kirchen-Pfarrstelle am Sonntag, den 26.04.2020 um 17 Uhr in der Alten Kirche statt.

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Predigt zur Einführung als Citykirchenpfarrer in Krefeld, Sonntag, 26.4.20, Alte Kirche

„Suchet, so werdet ihr finden“ (Mt 7,7)

Am Ostermorgen haben wir als Eltern Osternester versteckt. Unsere Kinder haben gesucht. Sie haben sich gefreut, wenn sie etwas entdeckt haben. Ein wenig diebisch, wenn es nicht für sie bestimmt war, und sie dann beobachten konnten, wie die Schwester sich um das Finden bemüht hat. Am Ende haben alle alles gefunden. „Suchet, so werdet ihr finden“ – es ist ein schönes Ritual, eine gute Tradition.

Suchet, macht euch auf, werdet zu Entdeckern, Erfindern. Seid neugierig, gierig auf das Neue. Macht die Augen und Ohren auf und begebt euch auf die Suche. Das trägt Jesus in der Bergpredigt den Menschen auf. Machen wir uns also auf die Suche!

Wer sucht, lässt sich überraschen: von dem, was er findet, von dem, wo er es findet, von dem, wie er es findet. Was, wo, wie: das ist eine Überraschung. „Suche der Stadt Bestes!“, das ist kurz zusammengefasst mein Auftrag als neuer Citykirchenpfarrer in Krefeld. Aber weil das alleine nicht geht und auch nicht gut ist, heißt es: Suchet der Stadt Bestes. Also: Wir alle zusammen in und für Krefeld.

Das Beste der Stadt suchen – das ist gerade in und für Krefeld wichtig. Entdecken, was es bereits am Besten gibt. Da ist zuerst das Augenfällige: Natur, Kultur, Architektur. Beim Sonnenschein in diesen Frühlingstagen ist es nicht schwer, das Schöne in Krefeld zu finden. Tolle Parks in der Stadtmitte, den Rhein und den Egelsberg, wunderbare Niepkuhlen. Die Kultur macht zur Zeit ja leider Pause, ich spüre aber: das sollte ich neu entdecken, wenn es wieder geht: Theater, Museen, Konzerte, Kino. Beim Suchen nach guten Bauwerken werde ich unterstützt. Sieh mal, ein Denkmal. Denk mal! Steht da explizit dran. Und ja, ich entdecke es dann.

Das Beste der Stadt suchen. Wir dürfen auch entdecken, was nicht augenfällig ist: das herzliche Miteinander, die aufmerksame und verbundene Nachbarschaft, die Achtsamkeit im Umgang miteinander. Das spüren wir besonders in diesen Tagen. Abends klatschen Menschen an den Fenstern, erinnern sich dankbar an die Menschen, die in diesen Tagen uns Waren verkaufen, unsere Angehörigen pflegen, uns mit dem Nötigen versorgen, unseren Müll abfahren. Die lebensnotwendigen Menschen kommen in unseren Blick – wir finden sie mit unseren Gedanken, unserem Dank.
Und der Paketbote und die Verkäuferin, die Pflegerin und der Entsorger: sie strahlen vor Freude, dass wir sie entdeckt haben bei unserer Suche nach dem Besten in der Stadt.

Das Beste der Stadt suchen: das heißt aber auch, das Suchen, was noch nicht da ist – und das gemeinsam entdecken, entwickeln, erarbeiten. Auf! Suchen! Das braucht es, damit entsteht, was noch nicht ist, was aber wünschenswert ist. Krefeld hat noch Luft nach oben, wir könnten noch mehr Schönes sehen, an Augenfälligem und an Herzlichem. Als soziale, freundliche, zukunftsfähige Stadt am Niederrhein können wir noch lebens- und liebenswerter werden.

Krefeld 2030: auf diesem Weg sind schon manche, und es können noch mehr werden. Auf, suchen wir gemeinsam das Beste in der Stadt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir.“ Im Neuen Testament ist auch dies ein Auftrag an die Menschen.

Es geht um eine zukünftige, lebens- und liebenswerte Stadt, die die Potenziale nutzt und ausschöpft, die da sind und die zugleich über das hinausweisen, was heute ist. Lassen sie uns miteinander suchen, entdecken, entwickeln.

Suchet, so werdet ihr finden! Das ist ein Zuspruch, eine Verheißung. Jesus spricht sie in der Bergpredigt den Menschen zu – und er sagt sie auch uns heute zu.

Einen solchen Zuspruch brauchen wir – und dieser Zuspruch ist auch der Anspruch für die neu geschaffene Stelle als Citykirchenpfarrer. Als neuer Citykirchenpfarrer soll das Auftrag und Verheißung sein: „Das Beste der Stadt Krefeld: Suchet, so werdet ihr finden!“ In Krefeld, für Krefeld, mit den Krefelderinnen und Krefeldern.

Citykirchenpfarrer: das ist eine neue Stelle, die auf Wohlwollen, Vernetzung, Kooperation, Miteinander angewiesen ist. Auf gemeinsame Suche – und auf den Zuspruch, die Verheißung, den Segen. Gott will, das allen Menschen geholfen werde. Das gilt auch uns. Damit die Zukunft reich ist, reich an herzlichem Miteinander, reich an Wohlstand und Wohlergehen, reich an Hoffnung, Liebe, Segen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne, in diesen besonderen Tagen. Mit Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Fürbittgebet

Suchet der Stadt Bestes.

Gott du hast die Möglichkeiten gegeben, uns als Menschen geschaffen, Gutes zu wollen und umzusetzen. Wir bitten dich in diesen Tagen für all die Menschen, die mutig, klug, entschlossen sich einsetzen, damit Kranke gesund, Sterbende gepflegt, Notleidende versorgt, Alleinstehende kontaktiert werden. Wir bitten dich in diesen Tagen für all die Menschen, die sich der Gefahr von Ansteckung aussetzen müssen, um deinen Schutz und deinen Segen. Gott, finde deinen Weg zu uns.

Suchet der Stadt Bestes.

Jesus Christus, du hast die im Blick gehabt, die außen vor bleiben, die zu leicht ausgeschlossen werden. Wir bitten dich in diesen Tagen für all die Menschen, denen das Geld nicht mehr bis zum Monatsende reicht, für die Obdachlosen, für Menschen, die auf der Flucht keine Zuflucht finden, für die Isolierten, die in ihrer Angst und Sorge gefangenen, für Eltern, die sich um das Wohl der Kinder sorgen, wenn der Alltag wiederkommt, für die behinderten Menschen, für die dementen Menschen, die nicht wissen, wie ihnen gerade geschieht. Jesus Christus, wir bitten dich, dass diese Menschen von deiner Liebe gefunden werden, und dass sie Menschen finden, die sie stützen, wahrnehmen, helfen. Jesus Christus, finde deinen Weg zu uns.

Suchet der Stadt Bestes.

Heiliger Geist, du verbreitest dich über die ganze Welt, nicht als Schrecken, sondern als Segen. Löse du Blockaden in den Köpfen, schaffe neuen Lebensrhythmus für verstockte Herzen, Zuversicht löse Angst und Sorge ab. Lass uns getrost sein. Denn siehe, du bist bei uns alle Tage bis ans Ende der Welt.

Und gemeinsam beten wir:

Vaterunser

Segen

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Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen zu diesem ungewöhnlichen Einführungs-Gottesdienst.

Wenn Sie Pfarrer Schöller einen persönlichen Gruß senden möchten, können Sie diesen gerne per Mail (falk.schoeller@ekir.de) oder Post (Westwall 40, 47798 Krefeld) schicken.

Wir wünschen Ihnen weiter Zuversicht aus der Gewissheit, dass Gott uns nahe ist, und dass Sie behütet und gesund bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Hendricks